Grüße aus der Cloud oder auch darum läuft bei mir kein Windows Server 2012

Als treuer Leser der c’t, sowohl mobil als auch auf dem Smartphone, erreichte mich mal einer dieser 100€-Gutscheine für ProfitBricks, eine IaaS-Firma. Also Account geklickt, und mal damit rumgespielt. Rein aus Neugierde mal eine Maschine mit Windows Server 2012 aufgesetzt, kostet ja quasi nichts. Flott ein rdesktop -u Administrator -p BJ3Fq8SCV4 46.16.78.XXX , und los gehts. Aber von vorne. Ich möchte mal etwas ausschweifen, und ProfitBricks näher beschreiben. Prinzipiell gefällt mir der Gedanke. Man registriert sich mit seinem Code aus der c’t, und kann dann im Datacenter-Designer (wie ein 2D-Spiel, einfach Server und Storages mit bunten Linien verbinden), den ich im folgenden einfach DCD nennen werde, gleich anfangen: Ein Server, ein Storage. Das reicht erstmal. Eine bunte Linie vom Internetzugang zum Server, und eine vom Server zum Storage. Es gibt vorinstallierte Images, man kann aber auch eigene per FTP hochladen. Ich klickte einfach mal aus Interesse auf „Windows Server 2012“ bei den ProfitBricks-Images, und schubste dann meine Maus auf „Provisionieren“. Der DCD ist komplett in JavaScript gebaut, also ohne Flash nutzbar. Ich hätte auf dieses Zeugs auch keine Lust gehabt 😉 – weiter gehts. Nach etwas Meditationszeit, oder wie man diese auch immer nutzt – zum Beispiel könnte man mal wieder mit seinen Eltern telefonieren – ist alles provisioniert und man findet in seinem web.deEmail-Postfach eine Email nach diesem Muster:

Da mich die technische Seite von dieser Software interessiert, hab ich mal in die Header geschaut:

Warum interessieren mich genau diese beiden Zeilen? Ein Mailserver schreibt in die Header immer so eine Art Log. Zu erst einmal, von welchem Server er die Mail selbst erhalten hat. Diese Zeile hab ich einfach mal weg gelassen. Wenn die Mail dann irgendwo noch Ehrenrunden dreht, dann steht das auch dort. In diesem Fall ist die erste Zeile ein Beispiel dafür. Warum wird eine Mail noch hin und her geschoben? Folgendes Szenario: User A sendet aus seiner Firma eine Mail an User B. Die Mail von User A wird nun an den Mailserver gesendet, der im gleichen Büro wie User A zu Hause ist. Der Mailserver im Büro leitet die Mail an einen Server im Rechenzentrum weiter, welcher die Mail dann versenden soll – und da ist dann schon die erste „Received:“-Zeile. Jetzt kommt das ganze bei User B an, und da ist dann die zweite „Received:“-Zeile – der Server im RZ von User A sendet an den Server im RZ von User B. Haben wir schonmal zwei Zeilen. Jetzt nimmt sich der Server von User B diese Mail, und prüft sie auf Viren und Spam. Erst dann wird die Mail wirklich eingeliefert – macht noch eine „Received:“-Zeile. Es laufen in unserem Beispiel quasi zwei Mailserver auf dem Server von User B. Dieses Setup betreibe ich auch, und es funktioniert ansich ganz gut. Dann kann User B die Mail auch abholen – mit drei „Received:“-Zeilen, also hat die Mail einen langen Weg hinter sich. Der Mailserver schreibt manchmal noch andere Information mit in den Header – wie bei der Mail von Profitbricks. Ich habe eine solche Zeile genommen, die aus dem Teil stammt, wi die Mail bei Profitbricks intern ihre Runden dreht. Die Mail wurde von einem Postfix bearbeitet – das ist der in der Linux-Welt vielleicht bekannteste Mailserver (jaja, ist nicht der völlig korrekte Begriff – MTA) und läuft meines Erachtens nicht ohne viel Gefrickel unter Windows. Also kann man davon ausgehen, dass die gesamte Mail-Infrastruktur auf Linux basiert. Es gibt mehrere solche Zeilen, die alle das Wort „Postfix“ beihalten – also Linux, zu 95%. BSD ist natürlich auch möglich. Die zweite Zeile ist die Message-ID, die die Mail identifiziert – der Mailserver arbeitet nicht mit dem Betreff 😉 – und die sagt aus: JavaMail. JavaMail ist eine APi unter – wer hätte es gedacht – Java, um Mails zu senden und zu empfangen. Also läuft die Plattform vermutlich auf Java, da Java die Mails generiert – das muss nichts heißen, ist aber sehr wahrscheinlich.

So. Ich weiß immer noch nicht, warum mich das interessiert, aber ich fands ganz spannend. Auch wenn ich zustimme, dass mir das nichts bringt 😉

Windows Server 2012. Das Bedienkonzept von Windows 8(.1) ist ja mit den Kacheln nicht so meins – ohne Start 8 – und jetzt gibts die Kacheln tatsächlich auf Servern!? Für die Wartung mit dem Tablet? Bei Microsoft ist ja Fernwartung oft gleichbedeutend Remote Desktop, daher habe ich auch erstmal Remote Desktop genutzt (da gibts nette grafische Tools für alles – wer braucht das!?), und mich mit einer ADSL-Leitung abgequält. Auch wenn ich mir sagen lassen hab, dass die PowerShell viel kann, möchte ich ohne „Alle Configs in /etc“ nicht unbedingt arbeiten müssen. Mausschubsen zur Serveradministration? Danke, ohne mich. Einen Punkt gibt es natürlich. Man kann gegebenfalls Minecraft auf dem Server spielen – im Clientmodus. Wer darauf steht, ein Spiel durch RDP zu pressen, soll das tun.

Ich hab die Maschine wieder gelöscht. Ist ja ganz nett, aber bitte kein Windows Server 2012 – andere Versionen hab ich nicht getestet, aber RDP mag ich nicht – denn SSH läuft auch bei GPRS-Verbindung noch. Und es gibt wirklich Leute, die das mögen?

Kopfschüttelnd nehme ich das zur Kenntnis, und schließe mein Thunderbird-Quelltext-Fenster der ProfitBricks-Mail. Alles in allem bin ich mit PB zufrieden – nur eben jetzt mit Debian statt Windows 😉 (das war jetzt der vierte, exakt zu den anderen identische Smiley) Vor allem für Testumgebung nutze ich PB, da man mal eben das System plätten kann.