Sexismus im Kinderalter beim Eierkauf

Wer bisher dachte, dass die kleineren Kinder, die männlich sind, von den feministisch-sexistischen Neigungen mancher Konzerne verschont bleiben, der irrt. Aber der Reihe nach.

Ich sitze gemütlich unter meiner Ikea-Lampe beim Sortieren von Fotos, werde aber durch den Gedanken unterbrochen, eine Bestellung in der lokalen Buchhandlung abholen zu müssen. Auch wenn das nicht in vielen Bereichen des Lebens so ist, ziehe ich hier das kleine Geschäft den Versandriesen und/oder Ketten vor, da man hier auf meine Sonderwünsche eingehen kann, ich von einem Menschen begrüßt werde (…und nicht nur auf einem Bildschirm „vielen Dank für Ihre Bestellung lese“) sowie die freundliche Verkäuferin immer die gleiche ist. Der Buchladen ist nicht weit vom Discounter weg, und da sowieso noch Eier im Haushalt fehlten plante ich also direkt, diesen Mißstand zu beheben und käuflich sechs Stück dieser zu erwerben – was für gewöhnlich kein Problem ist. Der Vorgang des Findens der Packungen war auch schnell erledigt, da ich wusste was ich will und so keine 30 Sekunden benötigte, um das Objekt meiner Begierde zu finden und zur Kasse zu transportieren. Oder besser zur Schlange davor. 7 Kunden pro Kasse mit Wochenendeinkauf (es ist ja immerhin Freitag am Vorabend), das wiederum an zwei Kassen und bei einer Kassierin. Etwas Wartezeit ist hier möglich, die sich ja sinnvoll nutzen lässt um Nachrichten zu lesen oder aber mit Freunden zu kommunizieren. (Diese modernen Smarttelefons, ihr wisst schon)

Der Herr zwei Personen hinter mir wurde nach 10 Minuten etwas ungeduldiger und fragte, ob es hier Bananen gebe – ich verkniff mir die Antwort „nein, nur Ausreiseanträge“. (…klassischer Witz im Ex-DDR-Gebiet, da Bananen schwer zu bekommen waren und meist nur nach langem Anstehen zu erwerben)

Dabei entdeckte ich, mit der Packung Eier in der Hand, die sogenannanten Überraschungseier. Schokoladenhüllen in Eierform, in deren Inneren ein Spielzeug ist. Wohlbekannt mit der weißen Verpackung; nun aber auch alternativ in rosa erhältlich:

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Ich denke mir nichts dabei, sehe auf dem Schild darüber „Überraschungseier Mädchen“ und gehe weiter zur Kasse. Direkt neben der Kasse, in der Vorstufe zur Quengelware standen dann die Produkte vom gleichen Hersteller, in allerlei Farben:

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Neuerdings heißen diese dann, entsprechend ihrer Größe, „MAXI“ und stehen gleich neben den Weihnachtsmännern für die jungen Damen:

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Sehr schön, endlich eine Unisex-Variante (bei den kleinen Eiern), Unisex bei den MAXI-Eiern und Frauen bei den Weihnachtsmännern (ich muss gestehen, nicht nach einer Unisex-Variante geschaut zu haben, da ich die Variante für Jungen gesucht habe). Aber wo sind die Varianten explizit für Jungen? Die lassen sich nicht auffinden. Die scheint es nicht zu geben.

Eine Suche beim Hersteller. Auf der Webseite gibt es gleich offen dazu einen Hinweis:

Quelle: http://www.kinderueberraschung.de/produktinfos; Abruf: 23.10.2015 18:12
Quelle: http://www.kinderueberraschung.de/produktinfos; Abruf: 23.10.2015 18:12

Noch Fragen? Nein, ich auch nicht. Zumindest keine rhetorischen Fragen, sondern ernsthafte. Daher frage ich einfach einmal an, was es damit auf sich hat:

Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte gestatten Sie eine Nachfrage zum von Ihnen angebotenen Produkt „Kinderüberraschung“, oft auch als „Überraschungsei“ bezeichnet.
In letzter Zeit fiel mir verstärkt eine Präsenz des sogenannten „Mädchen-Ei“ auf, welches zunehmend in diversen Discountern und/oder Supermärkten erhältlich ist. Diese Produktserie ist meist parallel zu dem von Ihnen hergestellten „Classic-Ei“ erhältlich. Es freut mich, dass Sie als Firma offenbar auf geschlechtsspezifische Interessen eingehen möchten und daher ihre Produktpalette entsprechend erweitert haben. Leider ist für mich nicht ersichtlich, weshalb hier parallel zu dem für Mädchen vorgesehenen Produkt keine Produktvariante speziell für Jungen verfügbar ist. Dies widerspricht meines Erachtens dem Gedanken der Gleichberechtigung dahingehend, dass das Produkt „Classic-Ei“ zwar für grundsätzlich jede Person offensteht, das „Mädchen-Ei“ allerdings speziell auf die Interessen von Mädchen abzielt und so für die Behandlung der Interessen von Jungen leider keine gesonderte Produktlinie existent ist. Es enttäuscht mich, dass ein Konzern wie Ferrero hier eine Diskriminierung von Jungen vornimmt und diesen die Wahl gibt, entweder ein Produkt, welches für Jungen und Mädchen zu gleichen Anteilen entwickelt wurde oder aber ein Produkt, welches speziell für Mädchen entwickelt wurde zu erwerben, ohne dabei eine Berücksichtigung seiner Interessen als Junge spezifisch wahrnehmen zu können. Es entsteht meiner Meinung nach so ein Ungleichgewicht zwischen beiden Geschlechtern im Verhältnis 1:3.
Ich bitte Sie um eine Stellungnahme hierzu, aus der hervorgeht, weshalb Sie derartige geschlechtsdiskriminierende Ansätze in Ihrer Produktpalette dulden.

Dieses Fax verließ am 05.11.2015 meinen Herrschaftsbereich und war laut Sendeprotokoll auch angenommen worden. Leider tat sich zwei Wochen nichts, sodass ich am 19.11.2015 erneut nachfragte, wie denn der Stand der Dinge ist. In jedem meiner Faxe war im Briefkopf meine Mailadresse, an der dann am 28.11.2015 auch eine Mail eintrudelte:

[…]

wir kommen zurück auf Ihr Fax vom 19.11.2015. Uns liegt kein weiteres Schreiben von Ihnen vor.

Leider teilen Sie uns nicht mit, inwiefern wir Ihnen weiterhelfen können. Bitte schildern Sie uns Ihr Anliegen genauer, damit wir Ihnen fachkundig Auskunft geben können.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und senden

freundliche Grüße aus Frankfurt

FERRERO Deutschland

– Consumer Service –

Na gut. Ich bin ja kein Unmensch, also ist das Fax direkt als Antwort-Mail per PDF am selben Tag rausgegangen, worauf dann auch direkt am 01.12.2015 eine Antwort kam:

[…]

vielen Dank für Ihre Mühe.

Selbstverständlich gibt es natürlich weiterhin das klassische Überraschungsei mit einem breiten Sortiment an Spielzeugen zum Werfen, Spielen und Basteln, das für Jungen wie auch Mädchen gleichermaßen gedacht ist. Daran hat sich auch nichts geändert.

Das Mädchen-Ei ist eher als zusätzliches Angebot zu verstehen. Ergebnisse aus der Marktforschung haben gezeigt, dass Mädchen sich auch mal klassische Mädchensachen wie Ringe und Puppen wünschen. Mit dem Classic-Ei konnte kinder Überraschung diesem Wunsch bisher nicht entsprechen – würde ein Junge nämlich einen solchen Inhalt bekommen, wäre er wahrscheinlich enttäuscht.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Junge das Ei nicht haben darf. Es gibt lediglich den Hinweis, dass sich hier Spielzeuge verbergen, die vielleicht eher ein Mädchen mag. Und andersherum können Mädchen natürlich weiterhin auch die klassische Variante wählen.

Freundliche Grüße aus Frankfurt

FERRERO Deutschland

– Consumer Service –

„Werfen, Spielen und Basteln“ – okay, von Werfen hab ich noch nichts gehört – hätte ich diese Anfrage nicht gestellt, hätte ich das glatt nicht gewusst. Aber das nur am Rande. Der Inhalt meiner Frage wurde ja nun mehr oder weniger beantwortet, aber mit der Aussage: Es gibt eine Unisex-Variante, nämlich das klassische Ei. Dazu gibts es das Mädchen-Ei, da ja einem Mädchen (soweit habe ich ja sogar Verständnis) möglicherweise doch ein Ring lieber wäre. Soweit, so gut. Nicht beantwortet wird, warum es dieses Ungleichgewicht nun gibt. Es gab früher mal Zinnsoldaten, die in Zeiten der Demilitarisierung aber signifkant verschwunden sind. Wenn sich ein Junge jetzt „typisch männliche“ Dinge wie Autos oder eben militärische Objekte wünscht (soweit dies eben auf das Interesse zutrifft), würde dies mit Verweis auf die Geschlechtergleichheit also nicht möglich sein, da ja diese Classic-Eier „für Jungen wie auch Mädchen gleichermaßen gedacht“ sind. Ringe für Mädchen sind aber schon möglich. Es wird also wieder für die Mädchen und Frauen gedacht und verarbeitet, während die Jungen an der bereits kritisierten Standardvariante bleiben müssen. Wie wäre es denn mit einer Fassung für Jungen und für Mädchen; getrennt? Also dem Jungen-Ei und dem Mädchen-Ei?

Schöne neue Welt.

1 thought on “Sexismus im Kinderalter beim Eierkauf

  1. Tja,

    weil die da eben doch keine so gute Marktforschung betreiben, scheint mir.
    Ich faende es auch super, und das mit 30+, wenn es mal ein Jungen-Ü-Ei geben würde. Wird es aber wohl nicht.

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