Es gibt kaum ein Thema über das ich mehr aufregen kann, als Vergewaltigung der deutschen Sprache durch aberwitziges „Gender-Mainstreaming“. Übertreffen kann das nur noch der Profilierungszwang einiger Frauenrechtler_X_innen*schreibdiedochwieduwillst, die aus jeder Mücke einen Elefanten machen. (Dass bei diesem Sprichwort neben einer Vergrößerung auch eine Geschlechtsumwandlung stattfindet, sollte jetzt keine Relevanz haben, und ist nur ein unterhaltsamer Nebeneffekt, den ich beim Korrekturlesen zufällig entdeckt habe – faktisch geht es mir um die Überbewertung diverser Thesen und Äußerungen oder anderer Dinge)

Auch wenn ich für die Klatschecken der großen Häuser wenig übrig habe, nutzt man doch die Entspannung des Wochenendes schon mal, um den Focus tiefer zu studieren – wenn man da von studieren reden möchte. Studieren ist ja eher das Aneignen von wertvollen Informationen, was man in der Unterhaltungsecke der großen Seiten nicht gerade sonderlich gut tun kann. Wie man sich dann aber so durch die Artikel klickt, landet man mit der Zeit in anderen Ressorts, und so passierte es, dass ich mich in das Ressort „Kultur“ verirrte. Wer jetzt unter „Kultur“ auch „Kultur“ im Sinne von kulturellen Ereignissen erwartet, mag vielleicht teils Recht haben. Die Unterkategorie „Medien“ beherbergte jedenfalls einen Artikel (Abruf am 24.07.2015 21:15), der für mich alles andere als kulturell wertvoll war – und auch noch von fehlender Kultur der darin behandelten Person zeugte.

Mein Unverständnis beginnt damit, dass einem im Artikelbild zwei junge Frauen in lässiger Freizeitkleidung anlächeln, während die Bildunterschrift aussagt, dass irgendwelche Tipps bei Frauen gar nicht gut ankommen. Ohne den darauf folgenden Hinweis, dass es sich bei dem Bild um ein Symbolbild handele, hätte ich dem Autor glatt Empathielosigkeit in einem Stadium unterstellt, das wissenschaftlich möglicherweise noch gar nicht bekannt ist – oder jedenfalls sehr kritisch. Gute Laune mit etwas zu verbinden, über das jemand „not amused“ ist, sind doch zwei sehr heftige Gegensätze. Aber gut, möglicherweise hatte die Agentur keine anderen Bilder im Vertragsrahmen zu bieten und daher möchte ich auch den Autor nicht für den Artikel runtermachen. Dem Autor kann ich abgesehen erstmal nicht viel nachsagen, außer dass er mit den empörten Personen anscheinend sympathisiert. Sehr deutlich wird das nicht, aber ist eine Mutmaßung von mir, die ich unter anderem daran fest mache, dass der Autor pauschal behauptet, dass die Ratschläge alles andere als hilfreich seien (zweiter Absatz), ohne dabei zu vermerken, dass es sich dabei um die Meinung bestimmter Personengruppen handelt. Daher muss ich davon ausgehen, dass damit die Meinung des Autors zum Ausdruck kommen soll.

Aber um von der Textanalyse abzulassen, werde ich mich nun dem Inhalt widmen. Es geht als darum, dass Östrogen-gesteuerte Jugendliche die ultimativen 100 Tipps bekommen sollen, ihr männliches Gegenstück zu verführen. Die allseits bekannte Jugendzeitschrift „Bravo“ riet dazu angeblich unter anderem, dass Mädchen doch die Haare einfach offen tragen sollen – das würde immer gut ankommen. (Screenshot 1; Punkt 3) Dem kann ich aus meiner Perspektive erstmal nicht wiedersprechen, aber bekanntlich sind da die Geschmäcker verschieden. Insgesamt sind von den 100 Punkten nur 6 Tipps abgebildet, den Rest habe die Bravo bereits wieder offline genommen – aufgrund diverser Kritik, wie der Artikel durch Zitate belegt. Es heißt erst, dass es dafür von Männern und Frauen gleichermaßen Kritik gegeben habe, allerdings werden nur zwei Zitate von Frauen angeboten. Der Verdacht einer feministischen Echauffierungsorgie liegt hier nah. Im zweiten Zitat, das leider ohne nähere Quelle angegeben wird (lediglich „Facebook“), spricht die Dame sogar von „dem Sexistischste[n], was ich [die Dame] je gelesen haben“ (der Infinitiv am Ende ist aus dem Original übernommen). Weiter heißt es, dass Mädchen komplett auf ihr Äußeres reduziert werden würden. Trotz der eindrucksvollen Verwendung des Superlativs von „sexistisch“ muss ich der Dame wiedersprechen und empfehle ihr, die 6% der Tipps, die dort verlinkt sind, nochmals zu lesen. So empfiehlt man den „Girls“ („Mädchen“ scheint für die „Bravo“ zu rückständigen Wörtern zu gehören) beispielsweise in Tipp 96, dass sich jeder Typ ein „einfühlsames Girl“ wünschen würde und dieses doch auf die Meinung des Jungen Wert legen solle. Was hat das jetzt mit Reduzierung auf Äußerlichkeiten zu tun? Meines Erachtens nichts. Von einer kompletten Reduzierung auf Äußerlichkeiten zu sprechen ist also ungerechtfertigt. Bei Nummer 97, der Empfehlung sich an den Jungen beim Lachen zu Zwecke der körperlichen Nähe anzulehnen, lässt sich auch wieder in Frage stellen, ob das tatsächlich Äußerlichkeiten sind, oder ob das nicht doch schon mehr mit Gefühlen als mit Haaren und Lippenzeugs zu tun hat.

Eins jedenfalls nehme ich aus diesem Artikel mit, dass die „Bravo“ offenbar männerfeindlich ist: Frauen bekommen Tipps, wie sich einen imaginären Einheitsjungen umgarnen sollen. Ich sehe das dann schon als kritisch an, schließlich lege ich wenig Wert darauf, als Einheitsmensch dargestellt zu werden. Diese angebliche Frauenfeindlichkeit ist nämlich nichts anderes als Männerfeindlichkeit – der Versuch, Männer zu vereinheitlichen und ihnen vorzuschreiben, auf jegliche Unterschiede untereinander zu verzichten. Mit der Erschaffung des Einheitsmenschen werdet ihr, liebe Gender-Vernarrten*innen_iXen/nenntesdochsonstwie aber noch warten müssen, bis mich das Zeitliche gesegnet hat. Denn so lange werdet ihr mindestens einen Menschen auf dieser Welt haben, der davon nichts hält sich durch Binnen-Is verweiblichen und durch „Flirt-Tipps“ zum Männchen aus Stangenproduktion machen zu lassen.

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