Ich darf jederzeit auf ein Neues beobachten, wie beliebt Services wie WhatsApp, SnapChat oder immer noch Facebook sind. Mich fasziniert einerseits, wie es diese Dienste schaffen, die Nutzer zu fesseln, und andererseits, wie die Nutzer sich fesseln lassen.

Sinn und Zweck

Fasst man den wesentlichen Sinn dieser Dienste zusammen, ist damit das Grundbedürfnis der Kommunikation gedeckt. Am besten sieht man das am Beispiel von Facebook – hier wird die Mischung aus Informationsverbreitung und direkter Kommunikation in einen Dienst gepackt. WhatsApp ermöglicht die Kommunikation zwischen zwei (direkte Kommunikation) oder mehreren (Gruppen) Personen. Neben Text können auch Bilder, Videos, Tondateien und Standortinformationen versendet werden. Snapchat wiederrum ist auf das Versenden von Bildern ausgelegt, die sich (angeblich) nach kurzer Zeit selbst zerstören – also dem Empfänger nur kurze Zeit angezeigt werden. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass SnapChat die Bilder nicht wirklich auf dem Gerät löscht. Warum auch immer das so ist, jedenfalls ist damit meines Erachtens ein massiver Vertrauensbruch begangen worden, dazu weiter unten mehr.

SnapChat

Der aktuell gerade sehr beliebte Service („Hey cool, ich habe gerade einen Snap erhalten“ – bei mir schnappts auch gleich) ermöglicht das Versenden von Bildern, die dem Empfänger mit einer Art Countdown gezeigt werden und anschließend nicht mehr sichtbar sind. Ich meine bewusst nicht „zerstört“, denn die App zerstört nichts, sondern speichert fleißig. Warum sie das tut? Das ist eine gute Frage – definitiv hat das aber nichts mit Privatsphäre zu tun. SnapChat wird auch gern für das sogenannte „Sexting“ genutzt, also quasi zum Dirty Talk im 21. Jahrhundert. Dumm nur, dass dann doch die Bilder von eindeutigen Handlungen beim Gegenüber verbleiben. Fassen wir also mal mit Paranoia zusammen,
was mit Sexting-Bildern passiert: Das Bild wird vom eigenen Handy zu einem fremden Service im Ausland (vermutlich USA) gesendet, der das Bild schonmal weiterverarbeiten könnte, um dann an einen Empfänger zu gelangen, der das Bild unfreiwillig speichert. Das Geheimdienste auch noch die Möglichkeit zum Mitlesen haben, sollte ja allgemein klar sein. Nebenbei kann die App auf die Kamera zugreifen – wer garantiert, dass dann nicht willkürlich Fotos geschossen und versendet werden? Ich möchte dem Dienst nichts unterstellen, was ich nicht belegen kann, aber Fakt ist, dass die technische Möglichkeit gegeben ist. Ich bin heilfroh, diese App nie installiert zu haben.

WhatsApp

Es gibt immer noch diese Menschen in meinem Umfeld, die WhatsApp nutzen – und da es ja leider oft so ist, dass man etwas von anderen möchte und sich damit nach denen richten muss, kam ich mit der Zeit um WhatsApp nicht herum. Die Installation aus dem Play-Store war schon nur zähneknirschend zu überleben, da ich diese Listen mit „Was-darf-diese-App“ lese. Mikrofon, Kamera, Standort, Kontakte – klingt ansich alles plausibel, wenn da nicht dieses Missbrauchspotential gepaart mit einer gesunden Paranoia wäre…

Getraut habe ich mir das alles nur, weil ich XPrivacy installiert hatte, und so die Dateisystemzugriffe beschränken kann (ich die erlaubten Dateien/Ordner manuell freigeben), Kamera und Tonaufnahmen gleich ganz gesperrt habe (Bilder mache ich mit der „normalen“ Kamera-App, und teile diese dann aus der Galerie über WhatsApp) und auch die Kontaktzugriffe auf einige wenige Kontakte eingeschränkt habe. WhatsApp sendet das eigene Adressbuch an die WhatsApp-Server, um zu überprüfen, ob der jeweilige Kontakt WhatsApp nutzt. Klingelts? Das Schlimme ist, dass man keine Gewissheit hat (weder dass noch dass nicht gespeichert und ausgewertet wird), aber das Potential ist hier extrem hoch – kostenlose Adressdaten. Dass die Kommunikation höchstwahrscheinlich komplett abgehört wird (weiß seit dem Summer of Snowden nahezu jeder), ist mir bewusst – ich kommuniziere über WhatsApp meines Erachtents Dinge, die allgemein bekannt sind oder über andere Kommunikationswege (Telefon, SMS, unverschlüsselte Mail…) bereits kommuniziert wurden.

Facebook

Jeder, der Facebook nicht nutzen muss (hier dürften unter anderem Social-Media-Beauftragte darunter fallen) sollte es lassen. Facebook speichert auch gelöschte Daten! Hoffentlich ist auch hier wieder vielen klar, wie toll hier
Geheimdienste ansetzen könnten, und wer kommt denn noch direkt an die Daten? Ja, auch hier kann ich natürlich nichts beweisen, aber ohne Frage – ich kann Facebook kein Vertrauen entgegen bringen. Wer bezahlt Facebook? Und was verbirgt sich hinter (kopiert aus den Datenschutzbestimmungen, wie sie am 25. August 2014 18:22 abrufbar waren)

Zusätzlich zum Unterstützen der Nutzer beim Ansehen und Herausfinden der Dinge, die du machst und teilst, können wir beispielsweise die über dich erhaltenen Informationen folgendermaßen verwenden: […] für interne Prozesse, u. a. Fehlerbehebung, Datenanalyse, Tests, Forschung und Leistungsverbesserung.

Soweit wird man ja korrekt darüber informiert, darüber möchte ich mich nicht beschweren – sehr wohl aber, dass diese Daten weiter verarbeitet werden könnten. Unter anderem für personalisierte Werbung, und so weiter – ein Blick in diese Datenschutz-Policy ist sehr aufschlussreich. Jeder sollte selbst wissen, ob er das will.

Unterm Strich

Liebe Jugend, wollt ihr das wirklich? Ist es euch wichtiger, „cool“ zu sein, oder wollt Ihr euch doch lieber selbst schützen und Grenzen setzen? Viele nutzen soziale Netzwerke aufgrund des Gruppenzwangs – und das ist meines Erachtens fatal. Grob gesagt hat jeder die Wahl: Euer Leben direkt mit Geheimdiensten und möglicherweise auch Firmen teilen oder doch lieber verschlüsselte Dienste nutzen oder einfach mal auf reale Treffen zurück greifen?

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.